Familiennachzug geglückt

Der Weg der Familie zu einem gemeinsamen Leben in Deutschland war ein langer und voller Herausforderungen: Ammar war alleine dem Krieg aus Aleppo entflohen und seit Mitte November 2015 im ehemaligen Alten-und Pflegeheim St. Vinzenz in Aulendorf untergebracht gewesen. Im Juni 2016 wurde sein Asylantrag schließlich bewilligt. Somit hatte der 47-Jährige das Recht, einen Antrag auf Familiennachzug zu stellen. Damit sind jedoch hohe bürokratische Hürden verbunden: So muss der Antrag beispielsweise innerhalb von 90 Tagen nach Anerkennung als Flüchtling gestellt werden und auch die anderen Familienmitglieder müssen zahlreiche Unterlagen bei der deutschen Botschaft einreichen. Da die deutsche Botschaft in Damaskus bis auf weiteres geschlossen ist, blieben nur die deutsche Botschaft in Beirut, Libanon, oder in Istanbul in der Türkei. Also machte sich Raian Anfang September 2016 zusammen mit den Söhnen Taim (7) und Tawfiq (15), sowie der Tochter Roz (12) von Aleppo aus auf den Weg in die Türkei. Erst beim zweiten Versuch durften sie die Grenze überqueren. Mitte November hatten sie einen Termin bei der Botschaft bekommen und mussten sämtliche Dokumente vorweisen. Von den Pässen, über Geburtsurkunden, bis hin zu Ehevertrag und Einträgen aus dem Melderegister musste alles vollständig vorgelegt werden, um ein Visum zu beantragen. Wenige Wochen später wurde der Familiennachzug bewilligt und am 15. Dezember kamen Raian und die Kinder in Aulendorf an.

Stefan Fischer (Caritas Bodensee-Oberschwaben), Raian Sasila, Tawfiq, Taim, Roz und Ammar Akmaisha sind froh, dass die Herausforderung Familiennachzug gemeistert wurde.


Obwohl die Situation für alle neu ist, hat sich die Familie schon relativ gut in Aulendorf eingelebt. Mit der von der Stadt bereit gestellten Wohnung sind alle Familienmitglieder mehr als zufrieden. Stefan Fischer, Flüchtlingssozialarbeiter der Caritas Bodensee-Oberschwaben in Aulendorf, nahm noch vor Weihnachten Kontakt mit den Aulendorfer Schulen auf, sodass Taim direkt nach den Weihnachtsferien in die Grundschule aufgenommen wurde. Parallel zur ersten Klasse besucht der siebenjährige die Vorbereitungsklasse.

Seine Geschwister Roz und Tawfiq sind seit wenigen Wochen ebenfalls in einer Vorbereitungsklasse in der Schule am Schlosspark und haben einen speziellen Stundenplan mit viel Deutschunterricht. Obwohl die Kinder Verwandte und Freunde aus Aleppo vermissen, sind sie zufrieden an ihren neuen Schulen. Taim erzählt stolz, er habe schon neue Freunde gefunden.
Auch Ammar und Raian möchten in Aulendorf zurechtkommen. Der 47-Jährige besucht derzeit einen Integrationskurs, seine Frau hat Anfang März einen Einstufungstest an der Volkshochschule. Die 40-Jährige war in ihrer Heimat Sportlehrerin gewesen, Ammar hatte als Elektriker in einem Wasserkraftwerk gearbeitet. Die Eltern sind sich einig: „Es ist ein erster Schritt in ein neues Leben. Wir müssen in die Zukunft schauen.“ Gerne würden die beiden eine Arbeit in Deutschland finden.
Familiennachzug ist in Aulendorf weiterhin ein Thema: Derzeit haben laut Fischer etwa 20 Flüchtlinge einen Antrag auf Familiennachzug gestellt. Deshalb werden nach wie vor Wohnungen für weitere Familien gesucht.

Text und Foto: Elke Cambré - Pressemitteilung der Caritas